Kleine Fragen an Anne Pätzke

Heute gibt es ein schönes Interview mit einer Autorin und Illustratorin. Vielleicht kennt einer von euch sie ja schon. Ich wünsche euch jedenfalls viel Spaß bei lesen.

Anne Pätzke

Anne Pätzke, geboren 1982, lebt und arbeitet in Berlin. Sie hat Design studiert, von 1998 bis 2000 die Landkunstschule Rosengarten besucht, und arbeitet hauptberuflich als Grafikerin im multi-medialen Bereich. Als freie Künstlerin entwickelt sie Character-Designs und mischt seit 2003 auch in der Manga-Welt mit, wo sie unter anderem als Mitherausgeberin von Paper Theatre (Schwarzer Turm) aktiv war. Ihre Figur Kulla, die sich längst eine internationale Fangemeinde erobert hat, entstand 2004 in Wien und war ursprünglich als eine Parodie auf Rotkäppchen gedacht. Schon bald entwickelte die Häsin aber ein Eigenleben und freut sich nun auf eine Reihe von Büchern mit ihren Erlebnissen. 




Meine Fragen

1) Oft erfährt man nicht mehr über den Autor/Zeichner, als das, was im Buch erwähnt wird. Damit wir aber mehr über dich als Person erfahren, würde ich dich an dieser Stelle einfach bitten dich selbst etwas vorzustellen.

Oh, ich finde leider immer, einige Sachen sollten privat bleiben, der Rest ist im Netz zu finden und ist zu 50% nicht so ganz korrekt ;) Ansonsten gehöre ich zu den Menschen, die sehr gerne sehr banale Dinge machen, keine lustigen Kostüme tragen und auch mal über sehr niveaulose Witze lachen. Ich arbeite vier Tage die Woche in einer internationalen Firma und hüpfe den Rest zwischen Comicseiten, Brettspielen und anderen Aufträgen herum. Ich versuche leider des öfteren faul zu sein. Irgendwie klappt das nur nicht. Ich arbeite daran. Ich habe 2 Katzen, ein paar Fische, eine mit Büchern zugekramte Altbauwohnung und einen Freund, der rote Beete mag, welche ich übrigens wirklich hasse.

2) War es schon immer dein Wunsch eine Künstlerin zu werden?

Neben Feuerwehrmann, Superstar und auf keinen Fall Beamter bestimmt. Nein, ehrlich bis zum Grafik-Design Abschluss wollte ich noch was ganz anderes werden. Zwei Wochen später war ich plötzlich Praktikantin im illustratorischen Bereich und bums, wars aus mit der noch nicht mal gestarteten Grafik-Designer Karriere. Ich habe es keine Minute bereut.

3) Gab es etwas, was dir den Anstoß gab, dich in diese Richtung zu entwickeln?


Die Wände des Kinderzimmers sahen mit grünem Filzstift dekoriert wirklich besser aus. Der Satz ist sicherlich furchtbar langweilig, aber ich habe wirklich schon immer gezeichnet und nachdem mein Vater mich in die Landkunstschule steckte (okay, ich wollte es ja, aber wer hätte gedacht, dass man da dann auch hin muss?), konnte ich mir einen anderen Berufsweg als „irgendwas kreatives“ nicht mehr vorstellen. Also grundsätzlich war der Anstoß Papier und Filzer. Final dann das bedrückende Gefühl bei allen anderen Berufswegen.

4) Es heißt ja, dass Kulla eigentlich eine Parodie auf Rotkäppchen werden sollte. War es damals als Projekt geplant oder war es einfach eine spontane Idee?


Oh, das war extrem spontan und ich habe auch eine Weile nichts damit gemacht. Bei mir entwickeln viele Figuren früher oder später ein Eigenleben, das dann wieder in die richtige Bahn geschubst werden muss- bei Kulla war es genauso. Die Originalidee möchte ich ehrlich gesagt nie irgendwo detailliert ausführen. Die war wirklich zu gemein. Der Rest war blindes Hineinstolpern in eine Geschichte, die noch nicht zu Ende geschrieben ist.

5) Als du angefangen hast Kulla Geschichten in so wunderbare Bücher zu verwandeln, war dir da der Gedanke gekommen, dass du damit viele Menschen begeistern würdest?

Nein, nicht wirklich. Ich freue mich ehrlich gesagt immer noch und bin erstaunt, wenn ich jemanden treffe, der die Bücher hat und sie mag. Einige kleinere Leser kenne ich „seit dem ersten Buch“ und wenn die Eltern oder Großeltern erzählen, das Buch würde auch nach ein paar Jahren immer mal wieder aus dem Regal gekramt werden, finde ich das einfach wahnsinnig toll. Zur Kindheit von jemandem zu gehören ist schon ein auf seltsame Weise äußerst befriedigendes Gefühl.

6) Was inspiriert dich dazu, diese wunderschönen Geschichten zu schreiben und zu malen?


Das wüsste ich manchmal auch gerne, dann könnte ich das irgendwie steuern. Zum großen Teil sicherlich meine Kindheit (Landei/Vorstadtkind mit vielen, ganz dummen Einfällen). Ich weiß genau, wann ich wo welchen Einfall hatte, aber ich weiß meistens nicht warum. An der Straßenbahnhaltestelle in Berlin nachmittags um fünf, mitten in der Nacht beim Briefeinstecken, die vierte Geschichte ein Uhr morgens auf der Couch. Es fühlt sich ein wenig so an, als würde eine extrem faule Muse mit einem Hammer zuschlagen und dann wieder im Dornröschenschlaf versinken.
Bei den Comicseiten fällt es mir deutlich leichter, allerdings fliegen 90% der Ideen raus bevor ich überhaupt den Bleistift aufs Papier setze. 

7) Wie lange dauert Entstehung so eines Kulla Buches?


Wenn ich die Ideenfindung mit einschließe: Jahre. Ansonsten kommt es darauf an, wie sehr gekürzt werden muss (Ping-Pong mit dem Redakteur) und wie schnell ich die einzelnen Seiten abarbeiten kann nach dem Absegnen der Grobentwürfe. Mehr als zwei Doppelseiten auf Leinwand schaffe ich pro Woche nicht. 4-5 Monate würde ich grob einschätzen. Plus die Zeit, die für Korrekturen und scannen anfällt.

8) Befolgst du ein bestimmtes „Ritual“ bei der Arbeit?


Bei Kulla: Ja... ewig davor drücken und 10 Wochen vor der Abgabe in Panik verfallen (ich fahre dann allerdings auch zur Höchstform auf). Dann viel Kaffee, Mate Tee und Musik, die mich antreibt. Ich arbeite schon vorher die Bilder ab, die sehr viel Zeit in Anspruch nehmen und grundiere alle Leinwände, aber den größten Batzen arbeite ich lieber am Stück ab.
Bei Illustrationen praktisch das gleiche minus davor drücken, da die Deadlines deutlich kürzer sind. Ich lasse Skizzen trotzdem erstmal ein paar Tage liegen. Falls sie mir beim erneuten Ansehen immer noch gefallen, gebe ich sie Lew (meiner Aushilfe) zum Flatten und starte dann mit dem digitalen Reinzeichnen. 

9) In der Beschreibung über dich heißt es, du entwickelst Charakter-Designs. Was kann man sich darunter vorstellen?


Charaktere und Sympathieträger werden so gut wie in allen Branchen verwendet. Vom Spee-Fuchs bis hin zum 3D-Musikclip bis hin zur Figur auf der Müsliverpackung. Ausgehend vom Briefing („Esel, lustig, passend zu XY“) entwerfe ich dann einen Charakter. Der geht wiederum durch 2-100 Abänderungen und irgendwann hat man dann ein finales Konzept, was im besten Falle auch alle anderen toll finden.

10) Arbeitest du zurzeit auch an irgendwelchen interessanten Projekten?

Ich sitze gerade noch an 2 Brettspielen, arbeite seit 1 Jahr regulär an „Chubbanimals“ (und bin auch schon mit der Hälfte des Buches fertig... hurra!) und warte auf das Go für 2 weitere Spiele und den vierten Kulla Band. Es rutschen immer wieder neue Projekte rein, aber grundsätzlich bin ich glücklich, dass ich im Moment nur Sachen mache, die ich wirklich machen möchte und an denen ich mir die Zähne ausbeißen kann.

11) Welchen Rat würdest du denen geben, die selbst gerne mal Mangas zeichnen, oder als Autoren die Welt erobern wollen?

Oh, das finde ich immer unglaublich schwierig. Meiner Meinung nach gibt es kein Backrezept für die perfekte Karriere und den perfekten Start. Ich denke, das wichtigste ist, dass man selbstkritisch bleibt und sich auch über kleine Erfolge freuen kann. Nichts ist schlimmer, als wenn man etwas erreicht hat und es einen innerlich nicht „satt“ macht.
Ansonsten würde ich raten, einfach nicht zu sehr zu den anderen zu schielen und sich immer zu vergleichen. Und sich selbst auch genug Zeit zu geben, um Erfahrung zu sammeln und zu wachsen. Ich kann mir nicht vorstellen, dass ich das alles, was ich jetzt mache, mit 20 geschafft hätte und mir hätte es schlichtweg an allem gemangelt (Wissen, Stilsicherheit, Stilwandlungsmöglichkeit, Fachwissen und die „Soft Skills“).
Mich langweilen viele Jungautoren, wenn man merkt, dass da noch kein gebrochenes Herz, kein Alltagsfrust, kein Jobk(r)ampf und keine wirklichen Höhen und Tiefen im Leben waren. Das fließt alles mit ein. Es muss nicht im Drama enden, aber ich finde, solche Erfahrungen prägen auch die Ordnung der Gedanken und die Fähigkeiten, aus einem kleinem roten Faden ein großes, mitreißendes Abenteuer zu stricken. 
Zum eigentlichen „Wie komme ich in die Verlagshäuser“ kann ich keine Tipps geben. Ich bin immer blind und per Zufall von einem in den nächsten gestolpert. Und „du musst Glück haben“ ist irgendwie ein ganz mieser Rat, oder?

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